All Eyez On Open Air St.Gallen

Dieses Jahr findet das 41. Open Air St. Gallen statt! Was als kleines Happening in der 70er-Jahre entstand ist mitlerweile eines der grössten und besten Open Airs der Schweiz!

Yves | 18. April 2018

Die Essenz des OASG

Im Jahre 1977 entschieden Freddy «Gagi» Geiger und seine Truppe das erste Open Air St. Gallen in Abtwil durchzuführen. Um die 2000 Besucher kamen zu dem Anlass, bei dem es neben Musik auch um die Selbstfindung gehen sollte – wie man sagt.

Und wär hätte es gedacht, schon bei der ersten Durchführung regnete es in Strömen. So stark, dass am Sonntag morgen das ganze abgebrochen werden musste, da die Bühne teils im Schlamm versank. Das Open Air St. Gallen (kurz OASG) und der Regen war also Liebe auf den ersten Tropfen. Den auch 41 Jahre später weiss der OASG-Besucher auf was er sich meistens einlässt…





Liebe wo man hinschaut

Doch was macht das OASG (neben dem Schlamm und der Musikauswahl) so besonders? Das liegt zum einen an dem Gelände, den mit dem Sittertobel hat das OASG wohl einen der schönsten und besten Plätze für eine solche Veranstaltung. Nicht nur das die hügelige Landschaft entlang der Sitter schön anzusehen ist, ihr ist es auch geschuldet, dass der eigentliche Konzertbereich fliessend in den Campingbereich geht. Das heisst, keine zusätzlichen Kontrollen und keine Wartezeiten – wenn dinne bisch, bisch dinne. Punkt. Die grösste Besonderheit sind aber die Besucher selbst. Lachen, fröhliches Tanzen, ungehemmtes Händchen-halten, wackelnde Zelte (ihr Schlingel), viel Schüga-Anstossen und familiäre Vibes von Sitter- bis Sternenbühne; Liebe wo man hinschaut. Damit macht das St. Galler Open Air seinen Gründer Fredi «Gagi» Geiger bestimmt auch noch nach 41 Jahren Stolz; Musik & Selbstfindung.

Das Glastonbury der Schweiz

Sei es R.E.M., Foo Fighters oder wie letztes Jahr Radiohead, das OASG hatte schon etliche grosse Namen in seinem Line-up. So auch dieses Jahr. Mit The Killers, Nine Inch Nails und vor allem Depeche Mode hat das Festival einige Aushängeschilder gebucht. Doch bekanntlich ist es die Mischung die es ausmacht und das St. Galler mag jedes Jahr aufs Neue auch mit den «kleineren» Bands zu punkten. Denn diese sind, nicht wie bei vielen anderen Open Airs nur qualitativ durchschnittliches Beigemüse, sondern vielversprechende Newcomer, gefeierte Underground Artists oder sehenswerte Lokallegenden (Du stohsch im Absaits du Wichser!).

Damit ihr in dem diesjährigen Programm nicht völlig im Schlamm (oder Stars & Stripes) versinkt, hier unsere Highlights des diesjährigen Line-ups gegliedert nach Tagen, Zeiten und Molekularstruktur. So ist’s brav.





Donnerstag

Feine Sahne Fischfilet (20.00 Uhr, Sternenbühne) 

Feine Sahne Fischfilet sind gerade nicht nur eine der besten aufstrebenden, jungen Punk-Bands Deutschlands, sondern vielleicht auch eines der spannendsten Phänomene im deutschsprachigen Musikzirkus. Aus der tiefsten Provinz Mecklenburg-Vorpommerns haben sie sich wie im Rausch auf die Bühnen der grössten Festivals gespielt. Ihre Touren sind regelmässig ausverkauft, sie füllen inzwischen nicht mehr nur Clubs, sondern Hallen – und das ohne auch nur ein Millibar ihrer Kraft zu verlieren! Das alles ist schon bemerkenswert, aber was Feine Sahne Fischfilet wirklich wichtigmacht, sind ihre klare Haltung und ihr Engagement. Sie positionieren sich, auch wenn es weh tut. Sie verlassen immer wieder die bequeme Backstage-Couch, engagieren sich vor Ort gegen den Rechtsruck, gehen in die Dörfer der Provinz und machen mal eben ihr eigenes Open Air mitten in einem Kaff in Vorpommern.

Drunken Masters (00.15, Sternenbühne)

Die Drunken Masters haben schon Clubs, Konzerthallen und Festivals von Deutschland über England, Frankreich, Russland, Spanien bis nach Singapur zum Beben gebracht. Ihre softe und melancholische Seite zeigten sie 2016 mit ihrer Single „Louder“ – niemand anderes als die guten Herren von Portugal.The Man featuren den Song mit. Die Single positionierte sich direkt auf Platz 1 der Hypemachine Charts und wurde bereits nach vier Wochen schon 1,5 Millionen Mal gestreamed. Mit viel Energie und fetten Beats werden Drunken Masters nach Portugal.The Man die Sternenbühne am Donnerstagabend einheizen.

Velvet Two Stripes (00.15, Musig uf de Gass & Startrampe)

Die St.Galler Powerfrauen von den Velvet Two Stripes haben bereits Shows an führenden Showcase-Festivals wie The Great Escape, Transmusicales und dem Reeperbahn Festival gespielt und den Support für etwa The Kooks und Brody Dalle übernommen. Letztere war übrigens derart angetan, dass sie die Band am liebsten auf ihrer kompletten Europatour mitgenommen hätten. Dieses Jahr bringen Velvet Two Stripes ihre EP auf die Bühne, touren, spielen Festivals und gehen das zweite Album an.

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Freitag

Editors (21.15 Uhr, Sitterbühne) 

Die Jungs vom britischen Lande haben vor dreizehn Jahren ihre erste Platte veröffentlicht. Sofort wurde die Band als Erbe der grossen New Wave Grösse Joy Division gehandelt. Der ständige Vergleich störte die Editors aber nicht, im Gegenteil; nur drei Jahre später durften sie mit R.E.M auf Tour. Düster, kalt und melancholisch ist der Sound zunächst, behandelt Themen wie den Tod und Angst. Fünf Alben später kommen sie zwar weg vom New Wave beweisen aber mit ausverkauften Stadien, Platin- und Goldalben, dass sie es definitiv geschafft haben. Im März erscheint ihr sechstes Album mit dem einfachen, derben und eindeutigen Titel: Violence. Wir freuen uns auf die Briten, welche diesen Sommer mit ihrem neuen Album bei uns auftreten werden!

The Blaze (00.45 Uhr, Sternenbühne) 

Hinter dem französischen Elektro-Duo „The Blaze“ stecken die Cousins Jonathan und Guillaume Alric. Als die Jungs in ihrer Schulzeit ein Video für den Unterricht erstellen mussten, fehlte noch der Soundtrack. Tja, das war der Startschuss für ihre gemeinsame Musikkarriere. Mit ihren eindrücklichen Videoclips, den elektronischen Klängen und den fetten Beats möchten sie typische Stereotypen brechen und ihren Hörern starke Gefühle, wie Hoffnung, Liebe und Freiheit vermitteln. Wer die Videos zu „Virile“ oder „Territory“ gesehen hat, kann wohl bezeugen, dass The Blaze das auch gelingt. In der Freitagnacht könnt ihr euch live von den Franzosen überzeugen!

Kuenta I Tambu (02.30 Uhr, Sternenbühne) 

Tambu ist ein trommellastiger Musikstil, welcher auf der niederländischen Karibikinsel Curaçao aus der Sklaverei entstanden ist. Lange galt er verboten, da die Musik als vom Teufel besessen galt und es wurde versucht, den Tambu auszurotten. Dies ist zum Glück nicht gelungen! Da ist es schon fast ein wenig Ironie, wenn einniederländisches Quartett zusammenfindet, um 2010 dem traditionellen Tambu eine Prise Hip-Hop und Elektronika zu verpassen – zack, war das Genre Tambutronic geboren! Kurz darauf stösst die Sängerin Diamanta zur Band dazu und Kuenta I Tambu wurde zu dem, was sie nun sind: Eine frische, sexy, laute und mitreissende Band, die uns mit Trommeln, elektronischen Beats und Gesang in der Freitagnacht in die Karibik katapultiert!





Samstag

Ufo361 (16.45 Uhr, Sternenbühne) 

Wenn ein Kreuzberger Rap-Newcomer sämtliche Lokalpatrioten zwischen München und Hamburg dazu animieren kann, im Chor „Ich bin ein Berliner“ zu grölen, sich «Haftbefehl» sowie die «187 Strassenbande» öffentlich als Fans bekennen und eine Berliner Schnauze den Trap-Sound von Atlanta an den Kotti hievt, dann lag das vor allem an Ufo361. Der sympathische Rumtreiber mit Dauergrinsen und Grillz hat mit „Ich bin 2 Berliner“ einen standesgemässen Nachfolger von seinem Erfolgs-Mixtape vorgelegt – und damit so ziemlich das, was man gemeinhin einen Lauf nennt. Pünktlich zur ersten Headliner-Tour erschien sein drittes Mixtape: „Ich bin 3 Berliner“. München, Berlin, Hannover, Frankfurt am Main, Hamburg waren bereits nach wenigen Tagen ausverkauft. Aufgrund der hohen Nachfrage gab es etliche Zusatzshows und dieses Jahr erscheint sein Debut-Album. Am Samstagnachmittag heizt euch der Deutschtürke ordentlich auf der Sternenbühne ein – holt eure Sneakers und eure Grillz raus, denn das wird niiice!

CHVRCHES (19.45 Uhr, Sitterbühne) 

Die dreiköpfige Elektropopband aus Schottland hat seit ihrer Gründung 2011 einiges richtiggemacht. Mit einer Elektropop-Mischung, die mit überschwänglichen Synthie-Kaskaden sowie noch überschwänglicherer, naiver Stimme die perfekte Schnittmenge aus Hipster-Affekt und Mainstream-Zugänglichkeit bildet, kann dann ab 2012 fast gar nichts mehr schiefgehen. Ein Jahr später hauen sie ihr erstes Album raus und holen sich glatt Goldstatus. CHVRCHES setzten sich ausserdem laut für gleiche Rechte in der LGBTQ-Community ein, für das Video zum Song «Down Side Of Me» spielt auch Kristen Stewart mit. 2014 haben sie euch auf der Sternenbühne überzeugt, dieses Jahr kommen sie wieder zu uns zurück! Und psst… Gerüchten zufolge sollen die Briten an ihrem dritten Studioalbum arbeiten. Spätestens diesen Sommer werden wir live erfahren, ob da was Wahres dran ist.

Angus & Julia Stone (20.45 Uhr, Sternenbühne) 

Zwei Stimmen, so fein, dass man sich von ihnen streicheln lassen möchte: Angus & Julia Stone verzaubern ihr Publikum schon seit über zehn Jahren mit ihren Songs. Das Geschwister-Duo aus Australien, das auch schon solo gearbeitet hat, ist den Indie-Folk-Fans auf der ganzen Welt ein Begriff. Nun kommen sie als Duo zum ersten Mal an das Festival. Bekannte Stücke wie «Big Jet Plane», «Just A Boy» und «Grizzly Bear» plätschern vergnügt und träumerisch vor sich hin und wickeln die ZuhörerInnen in einen melodiösen Schleier, der alles andere vergessen lässt. Wir freuen uns auf Angus & Julia Stones schwärmerisch-sanfte Musik und auf ihr neues Album „SNOW“. Seufz!

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Sonntag

Saint City Orchestras (11.00 Uhr, Sternenbühne) 

Das St. Galler Quintett begeistert das Publikum mit mitreissendem und stimmungsvollem Irish Rock. Drei Stimmen, zwei Gitarren, eine Mandoline, ein Akkordeon, eine Geige, ein Bass und ein Tamburin: Weniger ist manchmal eben doch mehr. Die kreativen Jungs verbinden ihre Eigenkompositionen mit eigenwilligen Interpretationen von Flogging Molly, Dropkick Murphys oder
Mumford & Sons. Da bleibt kein Bein ruhig stehen und kein T-Shirt trocken – dies haben sie schon letztes Jahr mit ihrer fulminanten Show auf der Plaza-Bühne bewiesen.

Gang Of Youths (13:00 Uhr, Sternenbühne) 

Je nachdem in welchem Land sich die fünfköpfige exotische Truppe gerade befindet, sind sie entweder gefeierte Rockstars oder werden kaum beachtet. Während sie in Australien nur so absahnen, habt ihr vermutlich noch gar nix von den Jungs gehört, gell? Macht nichts, dafür sind wir doch da. Kaum eine Band vereint Melancholie und Euphorie so wunderschön in Indie-Rock wie Gang Of Youths. Dabei verstehen es die Australier authentisch von den Freuden und Leiden des Lebens zu berichten. Der Frontman weiss wovon er singt: Er selbst verarbeitet Liebe, Tragik, Tod und Neuanfang, gestützt von seinen Bandkollegen, in seinen Songs. Sie gelten als DIE Indie-Rock-Band der kommenden Stunde und beweisen mit ihrem Album «Go Farther In Lightness», dass das Genre noch keinesfalls ausgelutscht ist. Liegt vielleicht auch an der Kick-Ass-Einstellung des Sängers David Le’aupepe, der in einem Interview ungeniert meint: „Ich möchte keine verdammt substanzlosen Softie-10-Songs-und-40 Minuten-Alben machen. Ich werde eines Tages sterben. Ich habe keine Zeit für diesen Unsinn.“ Klare Worte– und davon könnt ihr euch schon bald selbst überzeugen.

Beatsteaks (16.00 Uhr, Sitterbühne) 

Mit ihrer Band Beatsteaks haben sich fünf Freunde aus Berlin von einer kleinen Punk-Attraktion über die Jahre zu einer der grössten Rockbands Deutschlands entwickelt. Nach unzähligen Tourneen im In- und Ausland, Auftritten an den grössten europäischen Festivals und mehreren Goldalben sind die Beatsteaks heute eine der erfolgreichsten Rockbands der Republik – aber auch international können sie sich grosser Beliebtheit erfreuen. Schon die Ärzte fragen uns auf «Unrockbar»: „Wie kannst du bei den Beatsteaks ruhig sitzen bleiben?“ Erst gerade veröffentlichten sie ihr achtes Studioalbum «YOURS» auf dem unter anderem Deichkind, Farin Urlaub oder Jamie T zu hören sind und das immer noch mit den früheren Meisterwerken mithalten kann.

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Für alle, die alles von allen hören wollen, hat das OASG eine Line-up 2018 Playlist erstellt. Wir wünschen viel Spass, bedanken uns fürs Lesen und sehen uns am Open Air St. Gallen 2018. Tickets auf openairsg.ch erhältich.

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