Kino Review: «LORO»

«LORO» will kein Biopic des italienischen Business-Moguls Silvio Berlusconi sein, vielmehr ist der Film eine harsche Kritik an den Italienern und ihrem Hang zur Selbsterniedrigung.
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Farina Uno | 11. Oktober 2018
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Inhalt

In Sorrentinos neustem Film stehen deshalb die Nebendarsteller, «Loro – die anderen» im Mittelpunkt. Sergio Morra (Riccardo Scamarcio) und seine Frau Tamara betreiben einen Prostituiertenring im Süden Italiens. Fasziniert von Berlusconi korrumpieren sie mit Hilfe junger Escort-Frauen Politiker, um in Kontakt mit dem Cavaliere zu kommen. In Rom erhält Morra Unterstützung von der mysteriösen Kira (Kasia Smutniak) die wegen ihrer direkten Beziehung zu Berlusconi «Bienenkönigin» genannt wird. Es folgen Unternehmer, Kurtisanen, korrupte Politiker…

Und dann taucht «er» auf; Silvio (Toni Servillo). Besessen von der Idee, zurück an die Macht zu gelangen, von ewiger Jugend und vom Wunsch, seine Frau Veronica (Elena Sofia Ricci) wiederzufinden – Sorrentino zeigt Berlusconi, wie er ihn sich vorstellt: Ein Mensch, vor allem, und nur am Rande ein Politiker.

Ein Film von: Paolo Sorrentino
Mit: Toni Servillo, Riccardo Scamarcio, Elena Sofia Ricci
Dauer: 150 min.
Version: Idf
Kinostart: 11.10.2018





BEWERTUNG

Drogen, Erpressung, ein westlicher Schönheitsstandard und genau die richtige Portion Ignoranz… eine herrliche Kombination für eine spektakuläre visuelle Ausführung. «Loro» hat grosse Gänsehautmomente, doch ist es tatsächlich Genialität, oder vielleicht doch eher ein Gefühl von Ekel und Schauder? Es ist gewiss eine gute Mischung von beidem, welcher Aspekt triumphiert, ist sicher subjektiv, aber was unmissverständlich aufgenommen wird, ist die glasklare und direkte Nachricht, die Paolo Sorrentino an das Publikum richtet, welche absolut komisch, aber nicht leicht zu verdauen ist. Die starke Provokation ist nicht nur an Exministerpräsident Berlusconi gerichtet, auch scheinheilige Gesellschaftsgruppen und kapitalistische Machenschaften kriegen ihr Fett weg. Die Fiktion des Films unterstreicht reale Referenzen (zum Beispiel legendäre Zitate von Berlusconi selbst) hervorragend und macht aus den lächerlichen Charakterzügen diverser Personen einen superlativen Witz. «Loro» ist nicht nur faszinierend anzusehen, sondern ist auch musikalisch ein Genuss. Der moderne Pop-Soundtrack wurde sorgfältig und treffend ausgewählt und unterstreicht die überstilisierten Szenen perfekt. Was nicht ganz überzeugend scheint ist der Verlauf der Geschichte selbst, denn diese weist einige Lücken auf. Nicht weil man den Faden verlieren könnte, sondern weil kein Faden vorhanden ist. Der Film präsentiert nicht mehr als ein momentaner Zustand, hat keine klare Pointe und obwohl er sich eigentlich um Berlusconis Umfeld drehen sollte, scheint er selbst doch die Hauptrolle zu spielen. Was dennoch nichts heissen soll, denn Sorrentino brilliert nicht nur mit einer ausgezeichneten Wahl von Schauspielern, sondern auch mit sensationell authentischen Dialogen, so fesselnd, herausfordernd und pöbelnd dass einem die Haare zu Berge stehen.

7.0

Punkte

7

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