Kino Review: «Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald»

Das «Harry Potter»-Spin-off über den Magiezoologen Newt Scamander geht in die zweite Runde und vertieft sich dabei mit dem Aufstieg des dunklen Zauberers Gellert Grindelwald: Ein spannender Fantasyfilm mit Drama- und Thrillerelementen, der einige schöne, nostalgische sowie vielversprechende Momente birgt, sich aber auch in der Effekthascherei verliert.

Mirjam Rodehacke | 15. November 2018

Am Ende des ersten Films von 2016, wurde Grindelwald (Johnny Depp) vom MACUSA (Magical Congress of the United States of America) mit Hilfe von Scamander (Eddie Redmayne) dingfest gemacht. Jedoch kann Grindelwald einige Monate danach fliehen und beginnt ein Gefolge um sich zu scharen, das seine wahren Pläne nicht kennt oder nicht wahrhaben will: die Herrschaft reinblütiger Zauberer über alle nichtmagischen Wesen. Um diese Pläne zu vereiteln, wendet sich Albus Dumbledore (Jude Law) an Scamander, der seine Unterstützung zusagt, ohne sich wirklich über die Gefahren bewusst zu sein. Zudem kommt es zu immer mehr Spaltungen innerhalb magischen Gemeinschaft – selbst zwischen Paaren, besten Freunden und Familien.

In «Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald» wird nun also nochmals genauer hinter Grindelswalds Fassade sowie dessen Ideologie geblickt und gezeigt, wie er neue Anhänger mit seinem Auftreten und der geübten Rhetorik überzeugt und damit selbst Leute zum Zweifeln kriegt, die eigentlich keineswegs Sympathisanten seiner Weltordnung sind. Dadurch gelingt es ihm spielend psychisch labile und verletzte, sowie ungerecht behandelte und deshalb wütende, Bürger mit falschen Versprechungen einzulullen, so dass sie ihn als den schillernden Hoffnungsträger für ein besseres Leben wahrnehmen. Eben genau so, wie er es will. So kommen verschiedene traurige Einzelschicksale zum Vorschein, deren jeweilige Einordnung zunächst nicht ganz einfach ist – jedoch werden sie gegen Ende immer mehr miteinander verbunden und lassen die folgende Entwicklung unschwer erahnen. Vieles ist dabei nur allzu gut und schmerzhaft nachvollziehbar: Denn als Aussenstehender sieht man ganz genau, was falsch läuft  – aber man kann die Betroffenen logischerweise nicht warnen, sondern ihnen nur beim Untergang zusehen.





Daneben finden aber auch andere Geschichten ihren Platz, bei denen es scheint, als seien sie gegen Ende noch hektisch ins Drehbuch reingeklatscht worden, um den Film klischeehaft gerade noch genug aufzupolstern, damit er für die breite Masse (beziehungsweise Kasse) ebenfalls funktioniert. Dies mindert denn gesamten Handlungsdrive und wirkt leider genau so wie es ist: oberflächlich aufgesetzt.

Für alteingessene Harry-Potter-Fans gibt es zudem einige Szenen mit angenehm Vertrautem: So beispielsweise vom berühmten Zaubererinternat Hogwarts, dessen Ländereien und dem Spiegel Nerhegeb. Zudem erhalten endlich zwei Figuren ein Gesicht, die jedem treuen Leser oder Zuschauer der Reihe ebenfalls sehr gut bekannt sein werden. Dabei werden zugleich ein sehr tragisches Schicksal eröffnet und ein weiteres subtil angedeutet. Spannend ist zudem die genauere Wesenseinführung des neuen Antagonisten: Denn Grindelwald ist im Gegensatz zu Lord Voldemort (der Widersacher aus dem Harry-Potter-Universum) kein nasenloser Lurch, der seine Gegner bedroht und einschüchtert – sondern jemand, der die Leute geschickt verführt und somit gezielt auf seine Seite lockt. So ist Grindelwald eben nicht nur ein tyrannischer Diktator wie Voldemort, sondern auch ein ausgezeichneter und charmanter Manipulator.


Klar, man muss die Bücher um Harry Potter nicht kennen, noch nicht einmal wirklich mögen, um dieser Geschichte zu folgen – aber es hilft: nicht nur für das allgemeine Verständnis, sondern auch dabei, den zweiten Teil des Prequels wirklich gut zu finden. Denn dadurch fällt es deutlich leichter, dieser Ausführung einiges verzeihen zu können. So behandelt «Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald» zwar auf einleuchtende und stimmige Weise jegliche Probleme und Kämpfe, die die Menschheit schon immer und wohl auf ewig beschäftigen werden. Wie etwa der endlose Kampf zwischen Gut und Böse sowie das Suchen und Finden der eigenen Identität. Auch wird korrekterweise ausgiebig thematisiert und unterstrichen, dass niemand einfach «böse» geboren wird, sondern dass sich hinter jedem Charakter, hinter jeder Persönlichkeitsentwicklung eine Vorgeschichte befindet – hier zumeist eine sehr tragische. Trotzdem verliert sich der Plot teilweise in einem wirren Hin und Her der Handlungsstränge und bremst sich durch extrem unnötig erzwungene und eigentlich unpassende Momente selbst aus.

So wird am Ende auch überhaupt nicht alles gut, sondern es wird nur weiterer Raum für das sich bereits länger andeutende, grosse Duell zwischen Grindelwald und Dumbledore geschaffen, welches bereits im ersten Teil der Harry-Potter-Sage erwähnt wird und worauf auch diese Spin-off-Reihe (die insgesamt aus fünf Teilen bestehen soll) bis zu ihrem Finale sorgfältig hinarbeitet.

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BEWERTUNG

Alles in Allem ist «Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald» unbestreitbar wieder einmal ein visueller Höhenflug, dessen sich die Zuschauer des letzten Teils bereits gewohnt sind. Natürlich wird dem Kinogänger das millionenschwere Budget oft ungehemmt und bildgewaltig förmlich ins Gesicht geschleudert, was für die Handlung nicht nötig gewesen wäre, aber zugegebenermassen schaut man solchen Spektakeln manchmal auch gerne zu. Die Geschichte an sich ist dafür manchmal etwas zu gewollt inszeniert und massentauglich geformt, geht aber als Teil der gesamten Reihe durchaus noch auf - so weit keine weiteren Wendungen und Cliffhänger in den noch folgenden Teile erzwungen werden.  Schauspieltechnisch wird die Handlung hingegen beeindruckend stark vom gesamten Cast geführt: Selbst die Wahl der grossen Namen wie Jude Law und Johnny Depp, dem mittlerweile eine gewisse Rollenanhaftung nachgesagt wird, stören trotz anfänglicher (und berechtiger!) Skepsis nicht und können mit ihrer jeweiligen Verkörperung überzeugen. Das Highlight bleibt zudem ganz ohne Frage, wie auch bei seinem Vorgänger, die geniale und facettenreiche Darbietung von Eddie Redmayne, bei dem man manchmal nicht sicher sagen kann, ob er einfach nur gut spielt oder wirklich einen kleinen Sprung in der Schüssel hat.

7.0

Punkte

7

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