Hauptdarstellerwechsel, Regisseurwechsel, Chaos am Set, Unstimmigkeiten über die Herangehensweise zwischen Produzent und den Bandmitgliedern; alles vergessen – oder in Queen’s Worten «the show must go on». Das Queen-Biopic «Bohemian Rhapsody» startet am 1. November in den Kinos und wird auch den härtesten Typen eine Träne abverlangen.

Oben die Story, unten die Kritik.   

Sven | 27. Oktober 2018

Story

Freddie Mercury widersetzte sich Klischees, trotzte Konventionen und wurde so zu einem der beliebtesten Entertainer der Welt. Der Film erzählt vom kometenhaften Aufstieg der Band durch ihre einzigartigen Songs und ihren revolutionären Sound. Sie haben beispiellosen Erfolg, bis Mercury, dessen Lebensstil ausser Kontrolle gerät, sich unerwartet von Queen abwendet, um seine Solokarriere zu starten.

Freddie, der sehr unter der Trennung litt, gelingt es gerade noch rechtzeitig, die Band für das «Live Aid»-Konzert wieder zu vereinigen. Trotz seiner AIDS-Diagnose beflügelt er die Band zu einem der herausragendsten Konzerte in der Geschichte der Rockmusik. Queen zementiert damit das Vermächtnis einer Band, die bis heute Aussenseiter, Träumer und Musikliebhaber gleichermassen inspiriert.





BEWERTUNG

«Nichts kann existieren ohne Ordnung. Nichts kann entstehen ohne Chaos». Dieses Zitat von Albert Einstein beschreibt wohl am besten was hier, nach einer acht Jahre andauernden Odyssee entstanden ist: ein Meisterwerk in Sachen Biopic. Punkt. Wir garantieren Tränen, wir garantieren Lacher, wir garantieren rhythmisches Mitwippen und wir garantieren Gänsehaut. In der Mitte von allem Freddie Mercury (Rami Malek); ein Unikat, ein Stimm- und Performance-Virtuoso, eine Gestalt zwischen den Stühlen wie sie das Universum kein zweites mal ausspuckt. Doch, er braucht die eingängigen Riffs und Solos von Brian May, er braucht die epischen Beats von Schlagzeuger Roger Taylor und er braucht die unverkennbaren Bass Lines von John Deacon. Queen als ganzes verleiht Freddie erst das Übermenschliche. Das weiss auch der Film und vereint in einem Erzählstrang die Geschichte um Freddie und die Geschichte der ganzen Band, zu einem 134 Minuten starken und nie langweiligen Musikfilm. Sicher, eingefleischte Queen-Fans werden chronologische Unstimmigkeiten feststellen. Doch bei einem Biopic gehören diese dazu, da dass Ziel ein funktionierender und unterhaltsamer Spielfilm ist und nicht eine Doku wie «The Great Pretender». Dieses Ziel wurde mit «Bohemian Rhapsody» weit übertroffen. Das liegt zum einen an Rami Malek, der den Mut hat den schwierig zu erfassenden Freddie mit Hingabe und einer gewissen Übertriebenheit zu spielen. Er gibt dem Sänger die nötige Stärke auf der Bühne und die geheimnisvolle Zerbrechlichkeit im Privatleben. Auch Roger Taylor (Ben Hardy) und John Deacon (Joseph Mazzello) werden mit Hingabe gespielt. Der geheime Star ist aber Gwilym Lee, der Brian May spielt, als wäre er ein Klon von ihm.



Neben den Schauspielern brilliert auch Kameramann Newton Thomas Sigel, der bekannt ist für seine Arbeiten bei «Platoon», «Drive» oder den «X-Men»-Filmen. Freut euch auf unglaubliche Kamerafahrten und eine Live-Aid-Konzert-Inszenierung, die euch glauben lässt, ihr wart 1985 wirklich dabei im Wembley, als Queen ihr 20-minütiges Set vor 72'000 Leuten performten und so für den (so sagt man) besten Live-Auftritt aller Zeiten sorgte.
Zum Glück für Schauspieler Rami Malek, die Produktion, alle Queen-Fans und Kinobesucher, entschied man sich Freddies Originalgesang für den Film zu verwenden. Den, Rami Malek in Ehren, wer könnte schon diese Stimme imitieren. Eine Stimme, die 1991 verstummte. Freddie Mercury starb an den Folgen von AIDS. Der Film verzichtet aber bewusst auf die letzten Jahre inklusive Krankenbettverabschiedung, wie sie zum Beispiel in «Straight Outta Compton», dem Biopic über die Rap-Gruppe N.W.A. inszeniert wurde. Einfach nur cheesy so was. «Bohemian Rhapsody» endet da, wo es sein muss. Auf der Bühne, mit Freddie, Brian, Roger und John; zusammen als Queen. Und dann folgen «We Will Rock You» und «We Are The Champions», die Kamera über dem Wembley setzt zum Tiefflug über die Leute an und schon wieder wischen wir eine Träne weg. Danke.

9.0

Punkte

9

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