Film Review: «Blue Note Records: Beyond The Notes»

Sophie Huber porträtiert mit dem Dokumentarfilm «Blue Note Records: Beyond The Notes» eines der wichtigsten Jazz Labels der Geschichte und zeigt nebenbei, dass Musik weder kreative noch kulturelle Grenzen kennt. Oben gibt’s den Inhalt, unten das Interview mit Sophie Huber und unser Review. Wir wünschen allen viel Vergnügen im Kino. 

Sven | 8. Juni 2018

Inhalt/Synopsis

«Blue Note Records: Beyond The Notes» folgt der Vision des amerikanischen Jazzplattenlabels Blue Note. Der Dokumentarfilm von Sophie Huber («Harry Dean Stanton: Partly Fiction») ist eine anregende und emotionale Reise hinter die Kulissen des amerikanischen Pionierlabels, das einigen der besten Jazzkünstler des 20. und 21. Jahrhunderts eine Stimme gab. Seit 1939 inspiriert Blue Note Generationen von Musikern auf der Suche nach individuellem Ausdruck und steht für Meinungsfreiheit, Gleichheit, Dialog – Haltungen, die heute genauso aktuell sind wie bei der Gründung des Labels. Durch aktuelle Aufnahmesessions, seltenes Archivmaterial und in Gesprächen mit Blue Note-Stars wie Herbie Hancock, Wayne Shorter, Norah Jones, Robert Glasper und Ambrose Akinmusire erzählt der Film vom Aufbruch des Jazz bis hin zum Hip-Hop.

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Regisseurin Sophie Huber im Gespräch mit Bobo Ville

Bobo Ville: Wie kam dir die Idee ein Film über ein amerikanisches Jazz Label zu realisieren?

Sophie Huber: Don Was, der heutige Präsident von Blue Note Records, mochte meinen Dokumentarfilm über den Schauspieler Harry Dean Stanton („Harry Dean Stanton: Partly Fiction“), bei dem die Musik eine essentielle Rolle spielt. Wir trafen uns, um zu besprechen, ob Blue Note den Harry Dean-Soundtrack herausgeben könne. Die Platte erschien dann bei einem anderen Label. Aber aus diesem Kontakt ergab sich der Film über Blue Note.
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«Blue Note Records: Beyond the Notes» umfasst mehrere Jahrzehnte und unzählige Musiker. Wie behält man als Regisseurin bei soviel Material noch den Überblick? 

Man versucht sich auf die wesentlichen Geschehnisse in der Geschichte des Labels zu reduzieren und auf die wichtigsten Musiker und Platten, wobei es unmöglich ist, allen gerecht zu werden in 90 Minuten. Man überlegt sich, welche Themen einem persönlich berühren, in der Hoffnung, dass sich dies auf den Zuschauer überträgt. Für mich war beispielsweise klar, dass ich vom Ausdruck von Freiheit in der Musik erzählen wollte, den sowohl die deutsch-jüdischen Gründer wie die schwarzen Musiker suchten und der bis heute, nicht zuletzt auch im Hip Hop spürbar ist.
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Bild: Sophie Huber im Gespräch mit Wayne Shorter, bei der Blue Note All Stars Generation Session.
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Welche Aufnahmen habt ihr extra für die Doku noch gedreht und warum?

Es war klar, dass wir die Session mit den heutigen ‘Blue Note All-Stars’ wie Robert Glasper, Ambrose Akinmusire etc. in Los Angeles filmen würden. Ich hatte gesehen, dass Herbie Hancock und Wayne Shorter zur gleichen Zeit in der Hollywood Bowl auftraten und habe Don Was gefragt ob er die beiden zur Session mit der jüngeren Generation einladen würde. Glücklicherweise klappte dies, denn für mich ist dieser Moment in dem die Generationen zusammenkommen und Wayne Shorter’s Komposition aufnehmen eine der Schlüsselszenen im Film.
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Der Film schafft es sehr gut die Energie zwischen den verschiedenen Musikern dem Kinopublikum spürbar zu machen. Wie war das für dich als Filmschaffende, mit diesen kreativen Köpfen und Legenden zusammen zu arbeiten? 

Es freut mich, dass dies spürbar wird, denn das Zusammentreffen mit Herbie Hancock und Wayne Shorter aber auch mit den jüngeren Musikern hat eine nachhaltige Wirkung auf mich. Sie alle haben eine Offenheit, Präsenz und eine Neugierde gemeinsam, die inspirierend und ansteckend ist. Ich denke diese Qualitäten werden nicht zuletzt durch ihre Art des Zusammenspiels kultiviert und man kann davon viel lernen. Manchmal bleibe ich auch jetzt noch bei den Screenings im Saal, bloß um in ihrer Nähe zu sein.
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Kinostart: 14. Juni 2018
Länge: 85 Minuten
Produktionsländer: Schweiz, USA, UK 2018
Produktion: Mira Film
Verleih: Vinca Film Zürich
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Spielorte ab 14. Juni:
Zürich – Arthouse Movie
Basel – kult.kino camera
Bern – Kino Rex
Winterthur – Kiwi Loge
Schaffhausen – Kiwi Scala
Aarau – Ideal
St.Gallen – Kinok
Biel –  Rex
Olten – Lichtspiele
Brugg – Odeon
Weinfelden – Liberty Cinema
Engelberg – Kino Engelberg
Wattwil – Kino Passarelle
Spiez – Movieworld
Chur – Kinocenter
Gelterkinden – Marabu
Schaan – Takino
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Spielorte ab  21. Juni:
Wettingen – Kino Orient
Frauenfeld  – Cinema Luna
Thusis – Kino Rätia
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Verlosung

Wir verlosen in Zusammenarbeit mit VINCA FILM 5 x 2 Tickets für «Blue Note Records: Beyond The Notes». Schreib uns einfach ein Email an redaktion@boboville.ch. Die Gewinner werden benachrichtigt.

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BEWERTUNG

Es gibt Filme, die sich kurz nach dem Kinobesuch wie ein Meisterwerk anfühlen und dann, mit jedem weiteren Gedanken, nach und nach ihren Zauber verlieren. Auch «Blue Note Records: Beyond The Notes» fühlt sich nach dem Kino wie ein Meisterwerk an, schafft es aber seinen Zauber zu bewahren und mit jedem Gedanken noch besser zu werden. Regisseurin Sophie Huber inszeniert die Geschichte und seine Superstars dezent und mit viel Gefühl. Statt ein Drama oder Skandal aufzubauen, lässt sie Raum für die Künstler und deren Kreativität. Aus alten Archivaufnahmen, Erzählungen und aktuellen Studio Sessions spinnt Sophie Huber eine zusammenhängende musikalische Zeitreise, von den Anfängen des Jazz bis hin zum Hip-Hop. «Blue Note Records: Beyond The Notes» inspiriert, berührt und zeigt, dass Musik weder kreative, kulturelle oder wirtschaftliche Grenze kennt. Ein Film für jeden Musikliebhaber.

9.0

Ab ins Kino!

Punkte

9

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